Dezember 2009

Hallo Deutschland, hallo Welt,

heute mal wieder was Neues aus Malawi. Die Tage sind wieder etwas länger und der erste Regen ist gefallen. Doch bisher immer noch zu wenig und zu spät! Doch so hoffen und beten wir, dass das ganze Land in ein paar Wochen wieder grün sein wird. So schön das klingt, so abenteuerlich wird es auch beim Autofahren. Die Straßen werden mit Schlammlöchern übersät sein und ein Durchkommen fast unmöglich. Doch soweit ist es jetzt noch nicht.

Zur Zeit haben wir eher das Problem, dass es keinen oder kaum Diesel oder Benzin zu kaufen gibt. Schon seit fünf Wochen gibt es fast nichts mehr. Und wenn, dann könnt ihr Euch sicher vorstellen welch Chaos es dann gibt. An der Zapfsäule findet man dann nicht nur Diesel, sondern davor warten lange Schlangen. Obwohl ich in Afrika schon drei Jahre lebe, habe ich noch nicht viele Schlangen gesehen. Doch jetzt sind die Autoschlangen gigantisch.

 

Ich habe von vielen Leuten gehört, die sich in eine der langen Schlangen eingereiht haben und mehr als vier Stunden warten mussten. Manche schlafen sogar an der Tankstelle und andere wurden nach stundenlangem Warten wieder ohne Diesel nach Hause geschickt, da genau zwei Autos vor ihnen der Diesel ausging! Frustrierend.

Marion und ich hingegen hatten Glück. Wir bekamen einen Tipp, dass in der Nacht ein Tanklaster kommen soll. So sind wir morgens um vier Uhr aufgestanden und zu der besagten Tankstelle gefahren. Und tatsächlich – es war ein guter Tipp. Wir bekamen anstandslos einen ganzen Tank voll Diesel. Zwei Tage später fuhren wir abends nun wieder an einer Tankstelle vorbei. Und auch da war nur ein Auto und dann wir. So konnten wir unsere Kanister füllen und waren erst mal für die nächsten Fahrten versorgt. Ein anderes Mal sind wir hingekommen und vor uns waren mindestens 40 Autos. So habe ich nur den Kanister genommen und ihn mit in die Reihe der Kanister gestellt. Gerade da war Kanisterzeit und ich war nach fünf Minuten fertig und konnte bezahlen!

Doch um Diesel zu sparen bin ich mit dem Fahrradtaxi ins zehn Kilometer entfernte Dorf zum Kids Club gefahren. Das ist auch ganz nett, doch nach einer Weile spürt man ehrlich gesagt den Po.

Nun sind die Mitarbeiterschulungen für dieses Jahr abgeschlossen. Alle mussten einen Test schreiben und ich war überrascht, wie gut die Teilnehmer antworten konnten. In verschiedenen Orten wurden nun weitere Kids Clubs und Kinderkirchen begonnen. Denkt doch bitte im Gebet mit an die neuen Mitarbeiter. Es ist hier in Malawi nicht leicht einer solchen Aufgabe treu nachzugehen. Oft scheint den Leuten was anderes wichtiger zu sein.

September 2009

Hier ein kleiner Bericht von dem, was ich in den letzten Wochen alles erlebt habe. Dazu noch ein paar Bilder:
Nach wie vor habe ich ziemlich viel mit den Kindern zu tun. Die Kids Clubs laufen wirklich gut.

Spielen ist immer wieder ein spannendes Abenteuer. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich. Denn ich weiß nie, ob das Spiel, das ich vorbereitet habe, auch wirklich funktioniert. Vor allem Wettbewerbsspiele. Denn hier ist es so, dass es nicht wirklich ums gewinnen geht, sondern darum, dass alle mal dran waren. So kommt es nicht selten vor, dass wir mit drei Gruppen anfangen und am Ende nur noch eine Gruppe übrig bleibt. Nun ja, das hat dann den Vorteil, dass alle in der Gewinnergruppe sind :o)

Nach dem ich nun jede Woche zwei bis drei mal die gleiche Strecke ins Dorf fahre, haben sich die Leute auch darauf eingestellt. Alle, die in die Stadt wollen, fahren bei mir mit. So auch eine Oma die mit mir Kids Club macht. An einem Tag nahm ich sie mit nach Balaka und 3 Tage darauf wollte sie wieder mit ins Dorf fahren. Damit sie mich auch wirklich nicht verpasst, kam sie schon um 9.00 Uhr bei mir an. Abfahrt war um 13.00 Uhr geplant. Nun, so meinten wir, könnte sie sich die Zeit doch noch in der Stadt umschauen und so manches erledigen. Sie stimmte zu. Doch als wir kurz darauf aus unserem Hof kamen, saß sie an der nächsten Ecke und wartete dass die Zeit vergeht. So nahmen wir sie mit in die Stadt. Doch irgendwie wusste sie nicht richtig was sie tun sollte. So kam sie mit uns nach Hause. Dort kochten wir Tee für sie und gaben ihr ein großes Glas Zucker dazu. Als sie nach den 2 Tassen Tee satt war, war auch der ganze Zucker (ca 700g) verschwunden. Keine Ahnung ob sie den wirklich in den Tee geschüttet hat, oder ihn mit nach Hause genommen hat. Doch auf jeden Fall hat es ihr bei uns gut gefallen. Sie war nach dem Tee und den Keksen so voll, dass sie kein Mittagessen mehr essen konnte und sich einfach bei uns in Gras legte um zu schlafen. Als Dank schenkte sie uns in der nächsten Woche zwei große Bündel Feuerholz! Echt lieb!

Juni 2009

Nun geht es richtig los. Der Grund weshalb ich hier in Afrika bin ist, dass ich Kindern und Mitarbeitern das Wort Gottes näher bringen möchte. Die Mitarbeiter sollen lernen, wie wichtig es ist, Kinder altersgerecht zu unterrichten. Ich denke es ist in Malawi sehr wichtig Jungscharen und Kinderstunden zu haben, denn in der Regel gehen die Kinder mit den Eltern in eine der vielen Kirchen hier in Malawi. Dort sitzen sie dann dabei und verstehen doch von der Predigt nur, dass man Gutes tun muss, damit man zu Gott kommt und nicht zum Satan. Hier wird sehr stark betont, dass es auf unser Tun ankommt, um gerettet zu werden, so haben die Malawier einen starken Angstglauben. Und sie fragen sich: “Wird das was ich an Gutem tue, wohl reichen um in den Himmel zu kommen?”

Im Kids Club wollen wir zeigen, dass Gott auch ein liebender Gott ist, der es gut mit uns meint und der uns das ewige Leben schenken möchte!

Kinder gibt es hier unzählig viele. 50% der Bevölkerung sind unter 15 Jahren! Doch leider sind Kinder hier nur die Altersversorgung der Eltern. Da die Kindersterblichkeitsrate hier sehr hoch ist, bekommen die Eltern viele Kinder, damit sie wenn sie alt sind, wenigstens noch ein Kind haben, welches sie versorgen kann! Wenn man die Frauen hier fragt wie viele Kinder sie haben, antworten sie oft: “ Ich habe zehn Kinder geboren, fünf sind gestorben, zwei Jungs und drei Mädchen leben noch.

Ein Problem für die christliche Kinderarbeit ist, dass es nicht viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen Kinder zu unterrichten. Ansehen und Ehre bekommen ist etwas sehr Wichtiges in dieser Kultur. Doch Kinder unterrichten bringt kein Ansehen ein. In der Kirche zu predigen oder die Gemeinde leiten, das bringt Ansehen. So wird diese Aufgabe oft einem Jugendlichen überlassen, welcher jedoch selbst nicht weiß, was er mit den Kindern machen soll und so wird nichts gemacht.

Doch da wollen wir nun helfen. Wir das sind Mary Sungani und ich. Wir schulen die Mitarbeiter und haben zusammen mit ihnen einen Kids Club begonnen. Die Mitarbeiter und die Kinder sind begeistert! Zwischen 200 und 250 Kinder kommen in Zidyana. Das ist ein Dorf welches 30 km entfernt von Balaka liegt. Mit dem Auto brauche ich 1 1/2 Stunden. Denn die Straße ist sehr schlecht und es gibt viele Löcher bis zu 1 m tief! Da heißt es gut aufpassen beim Fahren! Vor kurzem waren wir auch noch mit dem Auto unterwegs und auf einmal war es so laut im Auto.
Der Reifen war geplatzt! Doch einige Männer kamen angerannt und haben uns geholfen den Reifen zu wechseln. Dabei ist dann der Wagenheber auch noch kaputt gegangen. Das Auto war zwar schon soweit aufgebockt, dass der alte Reifen runter ging, doch der neue nicht mehr rauf. So wurde einfach unter dem Reifen ein Loch gegraben! Es ging alles gut und wir kamen auch noch an diesem Abend nach Hause.

April 2009

Lang lang ist es her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Nicht weil es nichts zu berichten gäbe, auch nicht weil ich keine Lust zum Schreiben hätte. Nein, einfach nur weil das Internet hier überlastet ist und ich das, was ich schreibe, nicht mehr ins Netz bekomme.

Im Februar war ich in Deutschland zum Urlaub machen. Das erste Mal nach 2 1/2 Jahren. Es war schon ein ganz komisches Gefühl. Am Flughafen empfingen mich viele Freunde. Danke! Und in den Tagen in Deutschland habe ich sehr viele Leute besucht. Erst da ist mir so richtig aufgefallen, wie wenig Kontakte man hier in Malawi hat. Man hat seine 10 Kollegen, 3-4 andere Deutsche, ein paar Kanadier und das war’s dann auch schon mit den Kontakten hier. Freunde unter den Malawiern zu finden ist nicht ganz einfach - zumindest nicht solche Freunde, wie wir diese beschreiben würden. Natürlich sagt die Marktfrau zu mir: Gell, du bist meine Freundin. Oder die Frau, die etwas von mir bekommen möchte, nennt sich meine Freundin. Doch Freunde auf gleicher Ebene sind hier in der Kleinstadt oder im Dorf nur schwer zu finden. Dazu sind unsere Hintergründe doch zu unterschiedlich.

Doch nun als ich in Deutschland war, war ich überwältigt von den vielen Möglichkeiten: was man einkaufen kann, was man unternehmen kann, und wen man alles besuchen kann. Beim Geburtstag feiern war ich sehr erstaunt, dass um 20.00 Uhr immer noch Leute kamen. Hier in Malawi geht man nicht mehr aus dem Haus wenn es schon dunkel ist. Und das wird es um ca. 18.00 Uhr.

Den Schnee in Deutschland fand ich klasse, so konnte sich mein Körper mal wieder richtig entspannen und erholen von der Dauerwärme in Afrika.