Erlebt 09

September 2009

Hier ein kleiner Bericht von dem, was ich in den letzten Wochen alles erlebt habe. Dazu noch ein paar Bilder:
Nach wie vor habe ich ziemlich viel mit den Kindern zu tun. Die Kids Clubs laufen wirklich gut und so könnt ihr hier ein paar Bilder sehen.

 

Spielen ist immer wieder ein spannendes Abenteuer. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich. Denn ich weiß nie, ob das Spiel, das ich vorbereitet habe, auch wirklich funktioniert. Vor allem Wettbewerbsspiele. Denn hier ist es so, dass es nicht wirklich ums gewinnen geht, sondern darum, dass alle mal dran waren. So kommt es nicht selten vor, dass wir mit drei Gruppen anfangen und am Ende nur noch eine Gruppe übrig bleibt. Nun ja, das hat dann den Vorteil, dass alle in der Gewinnergruppe sind :o)

Nach dem ich nun jede Woche zwei bis drei mal die gleiche Strecke ins Dorf fahre, haben sich die Leute auch darauf eingestellt. Alle, die in die Stadt wollen, fahren bei mir mit. So auch eine Oma die mit mir Kids Club macht. An einem Tag nahm ich sie mit nach Balaka und 3 Tage darauf wollte sie wieder mit ins Dorf fahren. Damit sie mich auch wirklich nicht verpasst, kam sie schon um 9.00 Uhr bei mir an. Abfahrt war um 13.00 Uhr geplant. Nun, so meinten wir, könnte sie sich die Zeit doch noch in der Stadt umschauen und so manches erledigen. Sie stimmte zu. Doch als wir kurz darauf aus unserem Hof kamen, saß sie an der nächsten Ecke und wartete dass die Zeit vergeht. So nahmen wir sie mit in die Stadt. Doch irgendwie wusste sie nicht richtig was sie tun sollte. So kam sie mit uns nach Hause. Dort kochten wir Tee für sie und gaben ihr ein großes Glas Zucker dazu. Als sie nach den 2 Tassen Tee satt war, war auch der ganze Zucker (ca 700g) verschwunden. Keine Ahnung ob sie den wirklich in den Tee geschüttet hat, oder ihn mit nach Hause genommen hat. Doch auf jeden Fall hat es ihr bei uns gut gefallen. Sie war nach dem Tee und den Keksen so voll, dass sie kein Mittagessen mehr essen konnte und sich einfach bei uns in Gras legte um zu schlafen. Als Dank schenkte sie uns in der nächsten Woche zwei große Bündel Feuerholz! Echt lieb!  

 

Juni 2009

Nun geht es richtig los. Der Grund weshalb ich hier in Afrika bin ist, dass ich Kindern und Mitarbeitern das Wort Gottes näher bringen möchte. Die Mitarbeiter sollen lernen, wie wichtig es ist, Kinder altersgerecht zu unterrichten. Ich denke es ist in Malawi sehr wichtig Jungscharen und Kinderstunden zu haben, denn in der Regel gehen die Kinder mit den Eltern in eine der vielen Kirchen hier in Malawi. Dort sitzen sie dann dabei und verstehen doch von der Predigt nur, dass man Gutes tun muss, damit man zu Gott kommt und nicht zum Satan. Hier wird sehr stark betont, dass es auf unser Tun ankommt, um gerettet zu werden, so haben die Malawier einen starken Angstglauben. Und sie fragen sich: “Wird das was ich an Gutem tue, wohl reichen um in den Himmel zu kommen?”

Im Kids Club wollen wir zeigen, dass Gott auch ein liebender Gott ist, der es gut mit uns meint und der uns das ewige Leben schenken möchte!

Kinder gibt es hier unzählig viele. 50% der Bevölkerung sind unter 15 Jahren! Doch leider sind Kinder hier nur die Altersversorgung der Eltern. Da die Kindersterblichkeitsrate hier sehr hoch ist, bekommen die Eltern viele Kinder, damit sie wenn sie alt sind, wenigstens noch ein Kind haben, welches sie versorgen kann! Wenn man die Frauen hier fragt wie viele Kinder sie haben, antworten sie oft: “ Ich habe 10 Kinder geboren, 5 sind gestorben, 2 Jungs und 3 Mädchen leben noch.

Ein Problem für die christliche Kinderarbeit ist, dass es nicht viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen Kinder zu unterrichten. Ansehen und Ehre bekommen ist etwas sehr Wichtiges in dieser Kultur. Doch Kinder unterrichten bringt kein Ansehen ein. In der Kirche zu predigen oder die Gemeinde leiten, das bringt Ansehen. So wird diese Aufgabe oft einem Jugendlichen überlassen, welcher jedoch selbst nicht weiß, was er mit den Kindern machen soll und so wird nichts gemacht.

Doch da wollen wir nun helfen. Wir das sind Mary Sungani und ich. Wir schulen die Mitarbeiter und haben zusammen mit ihnen einen Kids Club begonnen. Die Mitarbeiter und die Kinder sind begeistert! Zwischen 200 und 250 Kinder kommen in Zidyana. Das ist ein Dorf welches 30 km entfernt von Balaka liegt. Mit dem Auto brauche ich 1 1/2 Stunden. Denn die Straße ist sehr schlecht und es gibt viele Löcher bis zu 1 m tief! Da heißt es gut aufpassen beim Fahren! Vor kurzem waren wir auch noch mit dem Auto unterwegs und auf einmal war es so laut im Auto. Der Reifen war geplatzt! Doch einige Männer kamen angerannt und haben uns geholfen den Reifen zu wechseln. Dabei ist dann der Wagenheber auch noch kaputt gegangen. Das Auto war zwar schon soweit aufgebockt, dass der alte Reifen runter ging, doch der neue nicht mehr rauf. So wurde einfach unter dem Reifen ein Loch gegraben! Es ging alles gut und wir kamen auch noch an diesem Abend nach Hause.

 

 

April 2009

Lang lang ist es her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Nicht weil es nichts zu berichten gäbe, auch nicht weil ich keine Lust zum Schreiben hätte. Nein, einfach nur weil das Internet hier überlastet ist und ich das, was ich schreibe, nicht mehr ins Netz bekomme.

Im Februar war ich in Deutschland zum Urlaub machen. Das erste Mal nach 2 1/2 Jahren. Es war schon ein ganz komisches Gefühl. Am Flughafen empfingen mich viele Freunde. Danke! Und in den Tagen in Deutschland habe ich sehr viele Leute besucht. Erst da ist mir so richtig aufgefallen, wie wenig Kontakte man hier in Malawi hat. Man hat seine 10 Kollegen, 3-4 andere Deutsche, ein paar Kanadier und das war’s dann auch schon mit den Kontakten hier. Freunde unter den Malawiern zu finden ist nicht ganz einfach - zumindest nicht solche Freunde, wie wir diese beschreiben würden. Natürlich sagt die Marktfrau zu mir: Gell, du bist meine Freundin. Oder die Frau, die etwas von mir bekommen möchte, nennt sich meine Freundin. Doch Freunde auf gleicher Ebene sind hier in der Kleinstadt oder im Dorf nur schwer zu finden. Dazu sind unsere Hintergründe doch zu unterschiedlich.

Doch nun als ich in Deutschland war, war ich überwältigt von den vielen Möglichkeiten: was man einkaufen kann, was man unternehmen kann, und wen man alles besuchen kann. Beim Geburtstag feiern war ich sehr erstaunt, dass um 20.00 Uhr immer noch Leute kamen. Hier in Malawi geht man nicht mehr aus dem Haus wenn es schon dunkel ist. Und das wird es um ca. 18.00 Uhr.

Den Schnee in Deutschland fand ich klasse, so konnte sich mein Körper mal wieder richtig entspannen und erholen von der Dauerwärme in Afrika.     

 

November 2008

Entwicklungsland Malawi

Was versteht man unter Entwicklung? Für mich hat das mit Fortschritt zu tun. Zum Beispiel werden gerade Straßen neu geteert und das Stromnetz ausgebaut. Auch Handynetz wird flächendeckender, denn überall kann man die neuen Masten sehen. Es gibt mehr und mehr Dinge hier im Land zu kaufen (große TV Flachbildschirme, Computer, Plastikweihnachtsbäume, ... ). Na ja zumindest wird versucht, dass sich alles weiter entwickelt. Auf der anderen Seite wird die Internet Verbindung schlechter und schlechter, Päckchen kommen nicht immer an, die Telefonleitungen sind ständig gestohlen, die Preise steigen in einer Geschwindigkeit, dass es einem schwindelig werden könnte, und wie ihr wisst, wird der Euro immer weniger wert wenn wir ihn hier tauschen. 

Außerdem ist es für mich das erste “Hungerjahr” in Malawi. Dieses Jahr war die Ernte nicht so gut ausgefallen und so ist bei vielen Familien der Mais schon ausgegangen. Doch Mais ist das Hauptnahrungsmittel in Malawi. Daraus wird Nsima (Maisbrei) gekocht. Nun kommen Leute und fragen nach Arbeit damit sie sich etwas zu essen kaufen können. Doch wem können und sollen wir helfen? Nicht alle die an unsere Tür klopfen sind ehrlich. So fragt man nach dem Zuhause und ob sie schon was gegessen haben, wie groß die Familie ist usw. Wir können oft nicht wirklich abschätzen bei wem Hilfe angebracht ist, doch die Leute erwarten Hilfe in irgend einer Form. 
Die Regierung unterstützt die Leute in dem sie (lange nicht genügend) Coupons für die Bedürftigsten ausgeteilt hat. Wer einen solchen Coupon bekommen hat, kann nun Dünger für den Maisacker günstig bekommen. (1600 MWK für 2 Säcke anstatt 22 000 MWK). Ohne Coupon kann sich niemand Dünger leisten denn ein Arbeiter verdient vielleicht 200 - 300 MWK am Tag wenn er Arbeit hat, doch auch das sind die wenigsten. So bleibt den Leuten nur Geld auszuleihen. Doch mit dem Zurückbezahlen wird es meist sehr schwierig. So kann ich auch nicht einfach das Geld verteilen. Zumal wir immer wieder mitbekommen wie Leute beklaut oder betrogen werden! Auch Schulden von vor einem Jahr werden totgeschwiegen, mit der Hoffnung, dass man sie vergisst.

Doch nun sind wir hier als Missionar und wir kamen um zu helfen. Wie geht man da mit Enttäuschungen um?
Malawier trauen sich gegenseitig nicht, doch wollen wir auch so misstrauisch sein? Eigentlich nicht.

Im Monatsspruch für November steht das Wort aus Jesaja 58,10

WENN DU DEN HUNGRIGEN DEIN HERZ FINDEN LÄSST
UND DEN ELENDEN SÄTTIGST,
DANN WIRD DEIN LICHT IN DER FINSTERNIS AUFGEHEN

 
Immer wieder muss ich mir selbst sagen, dass es nicht in meiner Verantwortung liegt, ob die Leute die zu mir gekommen sind, lügen oder nicht. In meiner Verantwortung liegt es, den Leuten so gut ich kann zu helfen. Doch das fällt uns Deutschen mit unserem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gar nicht so leicht!

Doch was gibt es noch zu berichten. Die Mitarbeiterschulung (für Kinderkirchmitarbeiter) haben wir nun abgeschlossen und es besteht Bedarf zum Weiterlernen. Da müssen wir mal sehen, wie wir das gut regeln können. Die Kids Club’s werden gut besucht und es gibt immer eine Menge Spaß wenn wir versuchen ein paar neue (deutsche) Spiele zu lernen.

 

 

 

Es ist November und auch in diesem Jahr überlege ich wie ich mich auf die Advents- und Weihnachtszeit einstellen kann. Es ist wieder sooooooooooooooooooooooooooooooo heiß. Das Thermometer geht seit Tagen/ Wochen nicht mehr unter die 30°C Marke. So fällt es auch nicht leicht zu schlafen. Die beste Abhilfe ist oft zu duschen und nasse Kleidung anzuziehen, oder sich mit einem nassen Tuch zuzudecken. Schwitz!

 

Nun das war’s dann mal wider ganz aktuell aus Malawi!
Be blessed! Eure Damaris

 

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